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Schnuppernachmittag

Montag, 22.01.2018,
von 15.30 bis 17.30 Uhr
im MATURANAHAUS Emmendingen

Inspiration


Verschiedene Erkenntnisse, Berichte und Forschungsergebnisse sind immer wieder neu inspirierend für unsere pädagogische Arbeit im MATURANAHAUS.

Sie bereichern unsere persönliche Auseinandersetzung mit der Aufgabe, individuelle Reifeprozesse zu respektieren und ergänzen und erweitern den Horizont für die nicht-direktive Begleitung von Kindern und Jugendlichen: die Grundgedanken von Maria Montessori, Erfahrungsberichte von Rebeca und Mauricio Wild, Erkenntnisse von Humberto Maturana, Emmi Pikler und Jean Piaget, sowie andere Konzepte aus Reformpädagogik, Psychologie und neurologischen Forschungsbereichen.


Maria Montessori (1870-1952), italienische Ärztin und Pädagogin, stellte das absolute Vertrauen auf die inneren Wachstumskräfte des Kindes in den Mittelpunkt ihrer Arbeit.

Sie kam zu der Erkenntnis, dass die menschliche Entwicklung einem von der Evolution geschaffenen inneren Entwicklungsplan folgt, einem „inneren Bauplan“, den jedes Kind in sich trägt. Damit jedes Kind seinen individuellen inneren Plan entfalten kann, bedarf es einer darauf abgestimmten vorbereiteten Umgebung für Eigenaktivität, in der es frei wählen kann, und aufmerksame, nicht-korrigierende Begleitung durch den Erwachsenen.

M. Montessori entwickelte umfangreiche Materialien für die konkret handelnde Eigenaktivität in den verschiedenen Altersstufen. Bei der inneren Aufbauarbeit der Kinder beobachtete sie verschiedene sogenannte „sensible Phasen“, in denen die Kinder sich mit besonderer Aufmerksamkeit und Vertiefung bestimmten Aktivitäten widmeten.

M. Montessori forderte von den Erwachsenen aufrichtigen Respekt vor der kindlichen Persönlichkeit und feinfühlige, genaue Beobachtung, damit jedes Kind erfüllendes konzentriertes Arbeiten erleben kann und somit die „Normalisierung des Kindes“ möglich wird: zufrieden und im Einklang mit sich selbst sein Potential zu entfalten.

„Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.“
(M. Montessori)


Rebeca und Mauricio Wild gründeten Ende der siebziger Jahre in Ecuador einen alternatives Kindergarten- und Schulprojekt, kurz „Pesta“ genannt.

kevinAusgehend von den Grundgedanken von M. Montessori entwickelten sie im Laufe der Jahre einen umfassenden Blick auf die Entwicklungsbedürfnisse von Kindern und die Notwendigkeit einer vorbereiteten entspannten Umgebung, die selbstgesteuerte Entwicklungsprozesse ermöglicht.

Die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen setzte sich im Aufbau eines alternativen Wirtschaftsystems fort und dem grundsätzlichen Anliegen, Strukturen zu schaffen, die die Lebensprozesse jedes Einzelnen respektieren.

„Die harmonische Entfaltung von Kindern ist ein natürlicher und darum langsamer Prozess. Unsere Aufgabe ist es, die rechten Bedingungen dafür zu schaffen, aber nicht den Prozess zu beschleunigen. Bringen wir es als Erwachsene fertig, diese inneren Prozesse nicht durch Ungeduld zu stören, sondern ihnen die nötigen Nährstoffe zu liefern, so lernt das Kind, auf eigenen Füßen zu stehen und nicht sein ganzes Leben lang von äußerer Führung abhängig zu sein.“
(R. Wild)

Hier geht's zum Nachruf auf Rebeca Wild.


Humberto Maturana, chilenischer Biologe und Neurowissenschaftler, entwickelte zusammen mit Francisco Varela eine umfassende systemische Erkenntnistheorie.

faltenSie gehen davon aus, dass sich jedes lebende System, vom einzelligen Lebewesen bis hin zum Menschen, in Interaktion mit seiner Umgebung selbst hervorbringt und immer wieder neu erzeugt und verändert. Für diesen Prozess prägten sie den Begriff der „Autopoiese“: „auto“ griech. = selbst, „poein“ griech. = machen.

Lernen ist kein Nachahmen und inneres Repräsentieren der Umwelt, sondern eine Dynamik zwischen innen und außen, bei der ein verträgliches Zusammenspiel des Organismus mit der Umwelt aufrecht erhalten werden muss. Maturana und Varela bezeichnen dies als Strukturkoppelung, d.h. eine wechselseitige Strukturveränderung von umgebendem Milieu und autopoietischer Einheit.


Emmi Pikler (1902-1984), ungarische Kinderärztin und Leiterin eines Säuglingsheims, stellte bei ihrer Arbeit die selbstständige, aktive Entfaltung vom Säugligsalter an in den Mittelpunkt.

Ihr Anliegen war es, diese Autonomie zu respektieren und durch eine achtsame Eltern-Kind-Beziehung zu ermöglichen. Ein wichtiger Aspekt dafür ist die aufmerksame Pflege des Kindes, die seine Impulse und Kooperationsbereitschaft von Anfang an berücksichtigt und respektiert. Erfüllt und gesättigt von Aufmerksamkeit und Zuwendung können Kinder sich so selbstständig ihrer Bewegungsentwicklung und dem entdeckenden Spiel zuwenden.

E. Piklers Anliegen war es, dass die Erwachsenen die wirklichen Bedürfnisse des Kindes wahrnehmen und befriedigen lernen und eine geschützte Umgebung vorbereiten, in der das Kind seiner eigenen „Arbeit“ in Frieden nachgehen kann. In langjähriger umfangreicher Tätigkeit unterstützte sie Erwachsene darin, anstatt lenkend einzugreifen und vorauszugreifen, Vertrauen in die natürliche Entwicklung und das eigene Tempo jedes Kindes aufzubauen.

„Ein Kind, das durch selbstständige Experimente etwas erreicht, erwirbt ein ganz andersartiges Wissen, als eines, dem die Lösung fertig geboten wird.“
(E. Pikler)


Jean Piaget (1896-1980), Schweizer Entwicklungspsychologe, entwickelte im Laufe seiner langjährigen Forschungstätigkeit eine umfassende Theorie der kognitiven Entwicklung von Kindern.

Er beschrieb verschiedene, aufeinander aufbauende Entwicklungsstadien, in denen sich die Denkstrukturen vom sensomotorischen, egozentrischen Blickwinkel bis hin zur formal-hypothetischen Auseinandersetzung entfalten. Die Erfüllung der Bedingungen und Bedürfnisse einer Etappe schafft dabei den notwendigen Boden für das nächste Stadium.

So stellte er z.B. fest, dass entsprechend dieses Aufbaus die Kinder erst ab ca. dem 12. Lebensjahr in der formal-operativen Etappe die Fähigkeit entwickeln, grundständig abstrakt, logisch und reflektierend zu denken. Bis zu diesem Alter benötigen sie umfassende konkrete Erfahrungen, um ihre kognitiven Strukturen aufzubauen.

Piaget betrachtete Kinder als aktive, sich selbst aufbauende und regulierende Organismen, deren Entwicklung als Zusammenspiel von angeborenen und umweltbedingten Faktoren stattfindet.

„Das Kind strebt danach, erwachsen zu werden, nicht, indem es alles umfassend erklärt und vorgezeigt bekommt, sondern indem es mit eigenem Einsatz forscht und selbstständige Erfahrungen macht.“
(J. Piaget)